Von wegen „nur zuschauen“

Zuschauen bei einem Triathlon ist recht anstrengend. Das hat Jens dieses Jahr bei der Challenge Roth gesehen. Wie so ein Tag „Zuschauen“ bzw. als Begleitperson ausschaut, will ich euch anhand des Ironman Copenhagen letztes Jahr erzählen. Dass da viel los ist, sieht man schon an der Länge des Blog-Beitrag 😉

Ironman Kopenhagen 2013 137

Der Wecker läutet um 4.00 Uhr – sowohl für Jens als auch für mich. (Und ja, wie Jens am Vorabend versprochen beeile ich mich im Bad, beim Anziehen usw. 😉 )

Danach Frühstück. Man sieht die anderen Athleten und Begleiter. Alle noch müde, alle lächeln einen an, als würde man sich kennen. Alle ein wenig aufgeregt. Freude, Spannung,  Beeilung …  noch den Rucksack mit allem möglichen Notwendigen für den Tag schnappen und ab Richtung Start. Das ist an diesem frühen Morgen in Kopenhagen gar nicht so einfach. Kein Bus, keine U-Bahn usw kommen wie geplant, aber am Ende geht sich ja eh immer alles aus.

Jens ist mit umziehen, aufwärmen und in der Kloschlange stehen beschäftigt – ich stehe einfach nur und schaue …  Einerseits die Ruhe des Morgens, des Meeres. Andererseits die Euphorie und Anspannung am Start. Die Atmosphäre einsaugen, die Aufregung spüren, die Vorfreude teilen. Fast Kronprinz Frederik im Neopren übersehen. Und da ist auch die österreichische Profiathletin Eva Wutti – wow. Ich stehe einfach nur und schaue.
Dann wirds ernst. Jens gibt mir seine letzten Sachen und schon fällt sein Startschuss. Da ich ihn im Wasser vor lauter gleichen Badekappen eh nicht mehr sehen kann, mache ich mich auf den Weg zur Radstrecke. Kurz seine Eltern anrufen, die jetzt zur Schwimmstrecke kommen und ihn in der Wechselzone anfeuern wollen.

Tage davor hab ich mir schon die Streckenpläne angeschaut und überlegt, wo wohl die besten Wartepunkte sind. Nein, Jens braucht mich nicht an der Radstrecke, aber irgendwie hilft es ihm sicher und mir auch – wenn ich sehe, dass es ihm gut geht.
Also mit der U- und S-Bahn quer durch Kopenhagen weit raus aufs Land. Dort komme ich mitten im Nirgendwo an: eine schöne Küstenstraße, ein paar tolle Villen, sonst nichts. Ich warte also und irgendwann kommt er daher – ein paar Augenblicke und schon ist er vorbeigezischt.
Jetzt hab ich ungefähr zwei Stunden Zeit, bis er das 2. Mal vorbei kommt und ich kann derweil gemütlich frühstücken. Entlang der Strecke viele Fans mit Transparenten und Jausenkörben – sie haben auch einen längeren Tag vor sich. Irgendwo finde ich dann mehr Tankstelle als Café, aber immerhin Cappucino und Croissant mit Blick auf die Radstrecke.Ironman Frühstück
So, nachdem Jens ein zweites Mal vorbei gezischt ist und mich nach wie vor angelächelt hat, kann ich beruhigt in die Stadt fahren. Immer wieder auf der Ironman-Website nachschauen, wie weit er ist bzw. via Twitter und SMS den Zwischenstand durchgeben an die mitfiebernde Familie und Freunde . Gar nicht so unanstrengend.

Mittlerweile ist es nach Mittag. Jens ist schon über 7 Stunden unterwegs. In der Stadt komme ich bei Regen und will zuerst etwas essen. Und kurz hinsetzen. In dem Kellerlokal habe ich keinen Handyempfang. Als ich raus komme, regnet es noch immer. Und jede Menge Nachrichten von Schwestern und Freunden, was mit Jens los ist. Nach ca. 100 km der Radstrecke gibt es jetzt länger keine neue Zwischenzeit von ihm auf der Ironman-Website. Okay, jetzt mal alle beruhigen und am meisten mich selbst. Wird sicher nur ein Computerproblem sein … und dann, nach einer gefühlten Ewigkeit ist wieder eine Zwischenzeit da. Also ein Computerproblem. Aber da hab ich dann kurz mal geschwitzt. Welche Gedanken da einem innerhalb weniger Minuten kommen können …

Ab zur 2. Wechselzone und mit den anderen beiden Fans (Jens Eltern) zusammentelefonieren. Und da stehen wir im Regen und warten, bis er da ist. Dank meiner österreichisch-bayrischen Fahne sind wir immer von Weitem gut erkennbar.

So, und jetzt auf die Laufstrecke. Da muss er 4 x die gleiche Strecke hin- und retour laufen. Wir positionieren uns am vereinbarten Platz, ich mit diversen Gels und Riegeln in der Hand. Für alle Eventualitäten gerüstet. Alles da, was er brauchen könnte. So, er läuft das erste Mal vorbei, die Straßenseite wechseln, eine HALBE Stunde später läuft er von der anderen RIchtung vorbei, wieder rüber, … Hauptsache er lächelt noch und läuft noch! Da sieht man dann divsere Athleten in verschiedenseten Fitness-Zuständen. Und immer wieder Kronprinz Frederik. 🙂
Jens läuft zum 6. Mal vorbei und will plötzlich Bonbons. (Danach erklärt er uns, dass sein Mund so trocken war, er aber nichts mehr trinken konnte.) Bis er das nächste Mal vorbei kommt, finden wir tatsächlich irgendwo ganz unten in einer unserer Taschen Zuckerl. So, er ist das 7. Mal vorbei, hat seine Zuckerl und wir beeilen uns zur Finishline. Und dort …Ironman Kopenhagen 2013 118

Ich werde fast umgehauen von der Stimmung im Zielstadion – unglaublich. Atemberaubend. Ach so, deshalb macht man sowas! Da spür ich dann auch nicht mehr meine müden Füße, den vom Rucksack verspannten Rücken und die Müdigkeit nach über 12 Stunden auf den Beinen. Und da ist Jens – auf der Zielgeraden! Jetzt jubeln alle nur wegen ihm 🙂  Und er hat es geschafft! Er ist ein Ironman!

Danach dauert es noch eine Ewigkeit, bis er nach Dusche und Umziehen und erster Stärkung endlich rauskommt. Man will sich soviel erzählen, er hat soviel erlebt. Ich auch. Aber eigentlich ist es fast Mitternacht und man ist einfach nur müde. Auch ich, obwohl ich ja „nur zugeschaut“ habe.Ironman Kopenhagen 2013 139

Ein Gedanke zu „Von wegen „nur zuschauen““

  1. Wie wahr!! „Nur zuschauen“ empfand ich beim Rothsee-Triathlon 2013 schon nicht einfach als „nur“ und Copenhagen war auch aus der Entfernung per Internet, Twitter und SMS noch spannend genug… Aber ich freue mich trotzdem (oder gerade deswegen?) schon darauf, bei der Challenge Roth 2015 live dabei zu sein!

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